Aus: JydskeVestkysten

Apenrader Kapitäne auf den Weltmeeren an vorderster „Front“

18.12.2014 | 09:49 |

Mette Thomsen

Stadt der Seefahrer: Museumsinspektor Mikkel Leth Jespersen hat zwei Jahre lang die Apenrader Seefahrtgeschichte erforscht. Seine Erkenntnisse belegen, dass die Flotte der Stadt große Bedeutung hatte.

„Wir hatten vermutet, dass die Apenrader Schiffe eine große Bedeutung hatten und die ganze Welt bereisten. Jetzt sehen wir uns in dieser Vermutung bestätigt“, sagt Museumsinspektor Mikkel Leth Jespersen.

Als Christian VIII. Mitte des 19. Jahrhunderts die Fregatte „Bellona“ über den Atlantik entsandte, hatte diese eigentlich die westindischen Insel ansteuern und von dort aus weiter nach Brasilien segeln sollen. Doch bevor der König seinen endgültigen Beschluss fasste, suchte er bei Apenrader Kapitänen Rat. Und er hörte auf sie! Denn die Fregatte sollte die westindischen Inseln nie erreichen – und Brasilien war lediglich ein Zwischenstopp auf einer langen Reise. Dafür umsegelte die „Bellona“ die südamerikanische Südspitze, das Kap Horn, und weiter die Westküste entlang. Genau dort wollte die dänische Seefahrt neue Handelsbeziehungen eingehen.

In Apenrade weiß man darüber bestens Bescheid: Ist es doch nicht nur eine gute Geschichte, wenn von der großen Bedeutung der Apenrader Flotte auf den sieben Weltmeeren im 19. Jahrhundert die Rede ist. Mikkel Leth Jespersen, Museumsinspektor des Apenrader Seefahrtmuseums, hat dieses Gebiet zwei Jahre lang erforscht. Auf der Grundlage seiner Forschungsergebnisse ist ein Buch entstanden.

Wir hatten vermutet, dass die Apenrader Schiffe von großer Bedeutung waren und auf der ganzen Welt gesegelt sind. Eine These, die sich nunmehr bestätigt hat. Das Buch stellt einen Zusammenhang her und erläutert, wann wohin gesegelt wurde. Hat es sich doch um bestimmte Orte zu bestimmten Zeiten gehandelt“, wie der Museumsinspektor sagt, und er nennt auch gleich ein Beispiel: Brasilien.

In Verbindung mit Brasiliens Loslösung vom Mutterland Portugal in den 1820-er Jahren steuerten nicht mehr nur portugiesische Schiffe Brasilien an. Die dänischen Schiffe machten den Anfang – angeführt wiederum von Schiffen aus Apenrade. Und als diese schon einmal so weit gekommen waren, setzten sie ihre Reise gleich bis nach San Francisco fort.

Seither hatte sich Ostasien zu einem lukrativen Markt  entwickelt, und die Apenrader Schiffsreeder wandten den Blick daher gen Osten.

In Apenrade verfügte man über große, schnelle Schiffe, kompetente Kapitäne sowie über Leute, die das Ganze finanzieren konnten, sodass man die internationalen Möglichkeiten, die sich boten, auch nutzen konnte. Zugleich vermochten es die Apenrader, in Kopenhagen Entscheidungsprozesse zu beeinflussen, nicht zuletzt weil Apenrade eine Pionierfunktion hatte, den Finger am Puls der Zeit, wenn es darum ging, was in der Welt geschah“, erzählt Mikkel Leth Jespersen.

Im Rahmen seiner umfassenden Forschungsarbeit hat er zahllose Dokumente studiert. Mithilfe eines Legats des Forschungsministeriums konnte man zudem die Veröffentlichung des Buches finanzieren, in dem seine Forschungsergebnisse dokumentiert worden sind. Zudem ermöglichte die finanzielle Förderung einer ganzen Reihe von Stiftungen, dass die 320 Seiten in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen sind. Laut Museumsinspektor ist man gut beraten, sich schnell ein Exemplar zu sichern.

In dem Buch sind viele interessante Erkenntnisse enthalten“, wie er sagt, „und obwohl es sich auf Apenrade bezieht, gibt es darin viel Wissenswertes – auch für Leute von außerhalb.“

Mikkel Leth Jespersen freut sich, dass es gelungen ist, trotz einer umfassenden Stoffsammlung den Zeitplan einzuhalten.

Das Geld des Legats musste vor Jahresfrist verbraucht werden. Es ist daher wunderbar, dass ich nun in Ruhe Weihnachten feiern kann.“


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