Aus: Der Nordschleswiger

Das Prinzip Hoffnung heißt Heimat

23.12.2014 | 11:38 |

Sara Wasmund

Derzeit leben 59 Flüchtlinge in Uk. Zustände vor Ort sind äußerst bescheiden. Lebensmittelverkauf im Aufenthaltsraum

Børge Brandenhoff hat mit seinem Sohn Benny einen Verkaufsstand im Flüchtlingsheim aufgestellt.

Ein Blick ins Zimmer der Männer aus Eritrea. Fotos: Karin Riggelsen

Uk/Uge.  Es sind unzählige Einzelschicksale, die in der Uker Nachschule derzeit notgedrungen aufeinandertreffen. Da ist  Firas, der in seiner Heimatstadt Latakia, der syrischen Hauptstadt der Alawiten, als Buchhalter in einem großen Unternehmen arbeitete, bevor der Bürgerkrieg immer näher rückte und die Bewohner der Stadt zur Flucht zwang.

Da ist  Lehrer Yibran aus Eritrea, den das diktatorische Regime seines Landes zur Flucht zwang und  der sich nun mit dem 26-jährigen Halefom und weiteren Landsmännern ein beengtes Mehrbettzimmer teilt. Ein Besuch in der Uker Nachschule macht deutlich, wie groß der Druck auf die dänische Ausländerbehörde derzeit ist: Die ehemalige Nachschule ist alles andere als perfekt vorbereitet auf die derzeit 59 Flüchtlinge – Männer, Frauen und Kinder aus Syrien und Eritrea. Es gibt noch keine Waschmöglichkeiten für Kleidung, die Kühlschränke stehen noch unangeschlossen auf dem Gang und das Internet, für viele die  einzige Möglichkeit für Kontakt in die Heimat,  funktionierte gestern auch noch nicht.

„Es ist in Ordnung, wir sind dankbar für die Aufnahme. Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber ich denke, es musste wohl alles sehr schnell gehen. Und sicher wird es nach und nach besser“, sagt Firas, der aus dem Sandholmlager nach Uk kam. „Wir wissen ja auch nicht, wie lange wir hier bleiben und wie es weitergeht“, sagt der Syrer. „Dänemark war nicht geplant. Es hat sich so ergeben. In meiner Heimat kam der Krieg immer näher und man musste befürchten, entweder von der einen oder der anderen Seite getötet zu werden. Alle Männer müssen damit rechnen. Also sind wir geflohen“, sagt Firas, der Donnerstag in Uk ankam.

In der Heimat von Halefom ist es das Regime, das ein Leben in Frieden und Freiheit unmöglich macht. „Man wird in Eritrea  wahllos ins Gefängnis gesteckt, sobald man etwas Kritisches sagt. So viele Menschen sind in den Gefängnissen verschwunden, keiner weiß, wo sie sind, was aus ihnen geworden ist“, sagt der junge Mann, der über den Sudan, Libyen, Italien und Deutschland nach Dänemark kam. „In Eritrea ging es uns wirtschaftlich gesehen sehr gut.  Unser größter Wunsch ist es, dass wir eine Regierung bekommen, die uns in Frieden und Freiheit leben lässt. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Wir wünschen uns nichts mehr, als wieder nach Hause zurück zu können“, sagt Halefom. Fremd ist ihnen das Land, in dem sie nun gelandet sind. „Es ist kalt. Und es gibt so wenig Menschen hier! Aber diejenigen, die wir getroffen haben, sind sehr freundlich“, sagt Halefom.

Zwei dieser Einheimischen sind die Bollerslebener Bürger Børge und Benny Brandenhoff. Sie haben im Flüchtlingsheim spontan eine Filiale ihres Bollerslebener Kaufmannsladens eingerichtet und verkaufen neben dänischen Tomaten und Kartoffeln auch syrische und afrikanische Lebensmittel. „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen, das geht schon“, sagt Senior Børge Brandenhoff. „Hier können wir einen besonderen Service leisten.“ Und wenn es sich anbietet, nimmt  man die Kunden aus Uk auch mal mit nach Bollersleben oder zurück. „Die haben hier ja sonst nichts. Da kann man doch das Geschäft mit etwas gutem Tun verbinden“, so Brandenhoff, dessen Familie den Kaufmannsladen seit 100 Jahren betreibt. Und während der alteingesessene  Händler  in seiner Heimat  seinem Alltagsgeschäft nachgeht, ist der Einkauf  bei den Brandenhoffs für Firas, Halefom und Yibran   fernab ihres Alltags eine notgedrungene Zwischenstation in ihrem Schicksal als Flüchtlinge.

„Ausländerbehörde steht gewaltig unter Druck“

Uk/Uge Die Lebensumstände im Uker Flüchtlingsheim sind äußerst bescheiden. Wenige  Bäder auf dem Gang für rund 60 Menschen und bislang noch fehlende Waschmaschinen und Internetzugang machen es den Flüchtlingen nicht leicht, sich wohlzufühlen. „Wir arbeiten an all diesen Sachen unter Hochdruck. Alle von uns waren in den vergangenen Tagen elf Stunden täglich im Einsatz“, sagt Hans Henrik Christensen vom Brovst Asylcenter. „Aber es musste einfach alles wahnsinnig schnell gehen. Wir können alle daran sehen, unter was für einem Druck die Ausländerbehörde steht. So viele Menschen brauchen eine Unterkunft. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn schon alles fertig gewesen wäre. Aber dies war in dem Fall einfach nicht möglich.“ 


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